Mittwoch, 24. Juni 2015

Tag 9 - Vulkan ist, wenn es dampft und stinkt!

Die heutige Etappe führte uns von Hallormsstaður durch fast außerirdische Landschaften in die Nähe des Myvatn.
Der gestrige HotPot ist ob seiner Lage natürlich schwer zu toppen, Island hat es aber heute trotzdem probiert. Gleich auf den ersten 40km (also sozusagen "um die Ecke") gab es den obligatorischen Wasserfall. Diesmal haben wir uns aber den Weg zur Wasserkante gespart, wir haben beschlossen aus der Entfernung wirkt er besser.


Nach einigen Kilometern kamen uns dann auch wieder Radfahrer entgegen. Diesmal aber nicht in der Touri-Variante, sondern als Profis mit warnblinkenden Wohnmobilen mit Anhängern hinter her. Das ging dann fast die nächsten 150km so. Immer wieder Radfahrer. Und das im Hochland. Wo der Leihwagen etappenweise im Sekundentakt nach dem nächstkleineren Gang verlangte, tobten die Radprofis nur mal so zum Spaß rauf und runter. Wir haben beschlossen, dass das wohl irgendeine Wohltätigkeitsfahrt sein musste, denn über das Rennen wurde auch hier im Fernsehen berichtet. (Nicole hatte den Fernseher im Aufenthaltsraum im Nullkommanichts in Gang gebracht. Nachdem wir gestern zwar einen Fernseher auf dem Zimmer hatten, nur der Empfang blieb aus.)


Nach einem ca. 100km langen Abschnitt durch das ringstrassenfreundliche Hochland, welches wirklich Mond- oder Marsähnlich aussah (glaubt man jedenfalls, weil auf den beiden war ich ja noch nicht), war der nächste sehenswerte Halt ein Lavafeld am Leihrnjúkur (dem Lehmgipfel). Hier hat es nach 1724 bis 1728 nochmal von 1975 bis 1984 einen Vulkanausbruch gegeben. Daher gab es hier echt viiiiiieeeeel Lava zu sehen. Größtenteils und dankbarerweise kalt, aber zwischendrin gab es immer wieder viele Löcher in der Erde, die entweder dampften oder stanken, meistens aber beides. Da sind wir dann ein wenig herumgelaufen, haben irgendwann den markierten Pfad verloren, und sind dann einfach über die Lavafelder zum nächsten zu erkennenden Pfad gegangen. Nicole wollte auf einmal, dass ich vorgehe. Habe ich nicht verstanden... Wir sind aber heile wieder rausgekommen, und die Fusssohlen sind auch nicht verkokelt.


Zur Mondlandschaft gibts morgen vielleicht etwas mehr, denn dann steht Husavìk auf dem Programm, und dort gibt es ein Raumfahrtmuseum. Wer jetzt glaubt, etwas verpasst zu haben, da ihm die große Raumfahrernation Island durch die Lappen gegangen ist, sei beruhigt. Die Amis haben hier im Vorfeld zu den Apollo Prgrammen ein wenig Mondlandung geübt. Der Landschaft nach geht das hier ganz gut.


Eigentlich wäre jetzt Zeit für einen kleinen Mittagskaffee für die Dame gewesen, aber hier gab es weit und breit keine Gelegenheit. Dabei hatten wir heute morgen beim Frühstück einem Ami zugehört, der seinem Guide erstmal fragte, was die Isländer denn früher so gemacht hätten. Kaffepflanzen hätte er hier jetzt ja keine gesehen, und irgendwas ähnliches müssten die doch getrunken haben damals. Ohne Kaffe kann doch keiner. Naja. Nicole fühlte sich jedenfalls sehr gut in einen frühzeitlichen Isländer verwandelt. Ohne Kaffee läuft der Tag halt etwas unrunder.


Heißes Wasser, bzw. Flüssigkeiten gab es an der nächsten Station allerdings genug zu sehen. Nächster Halt: Vulkan Krafla.
Dass der noch aktiv ist, nimmt man ihm ab. Jetzt nicht so mit Lava und Feuer spucken, aber es gibt ein ca. 40km² großes Geothermalgebiet. Und da man mit heißem Dampf hervorragend Kraftwerke betreiben kann, haben die 1974 auch mal mit angefangen. Inzwischen sind es zwei Turbinen mit zusammen 60MW. klick-> Kraftwerk Krafla
(Merkt man eigentlich dolle, dass hier der Elektriker schreibt? Kaum, nicht wahr?)
Was wir vom letzten Fotostopp noch für die Dampfwolke des Vulkans gehalten hatten, entpuppte sich dann allerdings beim Näherkommen als Teil des Kraftwerkes. Denn hinter jeder Turbine muss der Dampf abkühlen, sonst funktioniert das ganze nicht. Und die riesigen Dampfwolken kamen von der Kühlkaskade des Kraftwerkes. Die ganzen Bohrlöcher drumherum waren alle mit Leitungen verbunden, so dass sich ein silbriges Spinnennetz nurch das Tal zog. Aber nicht alle Bohrlöcher sind so ergebig, dass sie ausreichend Dampf produzieren. Auf einem alten Bohrlochkopf habe ein paar humorveranlagte Arbeiter einfach mal eine Dusche montiert. Die läuft jetzt wahrscheinlich seit 30 oder 40 Jahren so vor sich hin. Mit dem Wasser könnte man übrigens in der Tat duschen. Ich habe vorwitzig meine Finger drunter gehalten. Angenehme Duschtemperatur!


Dann weiter zum nächsten heißen Ort. Der hieß "Námafjall Hverir". Muss irgendwie die isländische Übersetzung sein von "Da wo es zischt, blubbert und stinkt!". Auch hier war es wieder so, dass überall wo Dampf aus der Erde kommt, der Gestank nach Schwefel und all seinen olfaktorisch nicht so berühmten Derivaten, nicht weit weg ist. Hier war das auch so. Allerdings ist das schon wirklich sehr beeindruckend, wenn direkt unter dem Lehmboden blubbernde und kochende Löcher um sich spucken. Da bleibt man wirklich freiwillig auf den markierten Wegen! Die Löcher waren quasi direkt unter einem und meist auch nur zwei Meter tief. Da kann schon mal die Phantasie mit einem durchgehen. Was wäre eigentlich, wenn jetzt plötzlich.... Lieber nicht. Aber auch hier sind wir heile und ohne verkokelte Fusssohlen oder Vergiftungen durch irgendwelche Dämpfe wieder rausgekommen. Für mich, war das sehr sehr beeindruckend. Auf den Bildern fehlt natürlich der Gestank und Geräuschkulisse, aber man kann erahnen was da so los ist. Wie beeindruckend muss da erst ein richtiger Vulkanausbruch sein. Dann aber bitte auch mit der richtigen Entfernung, denn was wäre wenn...


Auf Island gibt es übrigens jeden Tag 20 bis 50 leichte Erdbeben. Da die aber wirklich nur sehr leicht sind, haben wir bisher noch nichts bemerkt. Unsere Wetterapp sagt übrigens Erdmagnetstürme, der Stärke 6 vorraus. Was ziemlich gut für Polar- oder Nordlichter ist. Blöd nur, dass die Sonne hier momentan so gut wie nie untergeht. Ohne Dunkelheit sieht man die Polarlichter halt auch nicht. Astronomischer Sonnenuntergang ist derzeit um 24 Uhr, Sonnenaufgang um 3 Uhr morgens. Dazwischen ist es aber nicht dunkel, denn da die Sonne nur kurz unter dem Horizont steht eher so als wenn sich mal eine Wolke vor die Sonne schiebt.


Nach dem Vulkan ging es dann mitten durch eine Strassenbaustelle. Jepp! Da die Ringstrasse Nr. 1 keine Nr. 2 hat, ist die Strasse also einigermaßen alternativlos. Da gibt es dann keine Umleitungsstrecke. Wo auch. Also wird gebaut und mittenmang durch gefahren. Macht ja nix, wenn da die Schotterschicht aufgerissen wird, und kindskopfgroße (gefühlt) Schottersteine zu Tage kommen. Die Planierraupe kann man auch geschickt umfahren, und flux ist man auch schon durch. Gäbe es bei uns mal gar nicht. Ist hier aber wohl normal. Dem weißen Limosinenfahrer hinter uns ging es auch nicht schnell genug durch die holprige Baustelle, so dass er gleich wieder Asphalt unter den Reifen schnell überholen musste. Hat ihm aber nichts gebracht, denn im Gegensatz zu uns wusste er bei der nächsten Kreuzung nicht wo er lang wollte und wir waren wieder vorbei. Ätsch!


Kurz vor dem Ziel gab es dann doch noch die lange ersehnte Gelegenheit auf einen Kaffee für die Fahrerin! Endlich! Wir haben kurz vor Reykjahlíð halt gemacht. Dort liegt eine kleinere Kopie der blauen Lagune bei Reykjavik. Glücklicherweise verkaufen die auch Kaffee. Auf dem Parkplatz stand dann die Hochlandvariante von Wohnmobil. Allerdings noch sehr sauber. Ob die Eigentümer damit schon im Hochland waren? Mann weiss es nicht. Nicole muss sich aber nun zwischen WoMo und Super-Jeep entscheiden...
Kurz noch die Vorräte im Supermarkt aufgestockt und dann weiter ins Gästehaus. Das liegt direkt an einem kleinen Fluss und hat eine Küche, die wir mitbenutzen dürfen. Gut, dass wir Nudeln und passende Soße im Supermarkt erworben hatten. Da wir drei Nächte hier sind, werden wir morgen von hier aus die Gegend erkunden. Nicole hat eben schon so ein Torfhaus im Internet gefunden. Das schauen wir uns morgen mal an. Bis dann!


Der Beginn der Mondlandschaft

Mond oder Mars?

Wohl doch eher Mond..

...denn da steht ja ein Mondauto!




Uih! Da dampft der Vulkan!

Nee, doch nicht. Nur die Kühlkaskade vom Kraftwerk.

Mitten im Lavafeld. (Kalt) ;-)



Diese Lava sieht nicht sehr appetitlich aus..

Die Dusche im Nirgendwo!

Blubbernder und kochender Schlamm.


Das riecht nicht gut!




Direkt unter den Füssen, sozusagen.



Selbst im Auto müffelt es.

Ab durch die Baustelle! (Ach ja: Höchstens 50!)



Den oder doch lieber den Super-Jeep?!?


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